Ab gehts in die Heimatstadt

Nach ca. zwei Wochen Aufenthalt in Sucre sind wir nun endlich in die Städte unserer jeweiligen Einsatzstellen gefahren, in denen wir unseren Freiwilligendienst leisten werden.

Auch wenn der Abschied von der 22-köpfigen Gruppe komisch war, da wir uns jetzt zusammen ein bisschen eingelebt hatten, war andererseits die Aufregung und Freude auf unseren Einsatzort riesig. Nach und nach fuhren die einzelnen Gruppen, die jeweils eine WG bilden würden, aus Sucre los. Für meine WG-Mitglieder und mich ging es zusammen mit der Gruppe aus Moteagudo (eine Stadt, die auf dem Weg nach Camiri liegt) und unserem Hauptmentor Arturo abends los. Jedoch fuhren von uns aus Camiri nur Katharina und ich an dem Tag los, die anderen kamen am nächsten Tag nach, da die Fleißigen noch den letzten Tag Sprachkurs am nächsten Tag ausnutzen wollten (nein, Katharina und ich waren nicht nicht fleißig sondern hatten einfach keinen Sprachkurs).

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Abschied und Abfahrt vor dem Hostel in Sucre: Von Links: vollbepackter Jaron, Lara, Nele (beide aus Monteagudo), Katharina (Mitbewohnerin aus Camiri) und Sophie (Monteagudo).

 

Erste Eindrücke von Camiri

Nach einer holprigen Nachtfahrt nach Monteagudo, einem 3-stündigen Aufenthalt dort mit Frühstück, und einer noch holprigeren 4-stündigen Fahrt nach Camiri waren wir endlich da! Uns empfingen eine Stadt komplett umgeben von Bergen (die wir zuvor in der holprigen Fahrt überqueren mussten…) und eine Temperatur von ca. 33°C. Mit einem Taxi fuhren Arturo, Katharina und ich zu unserer WG, wo uns Don Pancho (unserer Mentor aus Camiri) und Elly, unsere Köchin, erfreut willkommen hießen. Dann gabs erstmal Pollo (hünchen) mit Reis zu Mittag, was auch sonst? Diese Mahlzeit wird hier so gut wie täglich gegessen wie bei uns in Deutschland Brot zum Frühstück.

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Man achte auf das Schild auf dem Berg. Woher kennt man das nur?

Genug vom Sitzen in Bussen mit denen wir nach Camiri gefahren waren, liefen Katharina und ich nach dem Essen los um ein bisschen die Stadt zu erkunden, welche wir nun für ein Jahr unsere Heimatstadt nennen würden. Zuerst suchten wir den Mercado auf, welcher hier die Haupteinkaufquelle ist. Als wir Heimische nach einem Supermarkt fragten wurden wir erstmal heimlich ausgelacht. Man muss sich halt langsam herantasten:D. Wie in Sucre bekamen wir auf dem Mercado und  in den Tiendas am Straßenrand alles zu Gesicht: Früchte, Hygieneprodukte, Süßigkeiten, Handys, Hühnchen, Saftsstände etc..  Ungewöhnlich bei dem ersten Stadtbummel war, dass man auf der Straße eigentlich von jedem neugierig gemustert wird, da unter den Bolivianern hier kaum Europäer leben.  

Abends fielen wir dann doch komplett ermüdet von der langen Reise und der Hitze in unsere Betten…

Völlig verschwitzt wachte ich am nächsten Tag vom Klopfen an unserer Zimmertür auf. Die Hitze war entweder immer noch da oder schon wieder. Ich wankte zur Tür und öffnete sie. Vor mir stand Arturo mit David, Luca und Leoni, unseren restlichen WG-Mitbewohnern. Diese waren am vorherigen Abend, nach deren Sprachkurs aus Sucre losgefahren und nach der Nachtfahrt morgens in Camiri angekommen. Also setzen wir uns erstmal gemeinsam zum Frühstück hin. Danach gings ans Werk: Wir putzten unsere Zimmer, um uns anschließend dort einrichten zu können. David, Luca und ich teilen uns ein 4er Zimmer und Leoni und Katharina sind in einem 2er Zimmer untergebracht.

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Zwar nicht beim Frühstück, aber alle am Tisch. Hier haben wir unserer Köchin und Arturo, dem bolivianischen Freiwilligenmentor ein Schokofondue beschert. Später haben wir herausbekommen, dass unsere Köchin unglaublicherweise eigentlich kaum Früchte mag… Von links vorne im Uhrzeigersinn: mein leerer Platz, Katharina, Elly unsere Köchin, David, Leoni, Luca und Arturo

 

Das Festessen geht los

So langsam nahm dann der Tag seinen Lauf: Arturo und Don Pancho legten Unmengen an Fleisch auf unseren Grill und Elly fing an dazu ordentlich etwas zu köcheln. Teils halfen wir bei der Essensvorbereitung mit und teils räumten wir weiter unsere Zimmer ein.

Es trubelten immer mehr Leute bei uns in den Garten ein bis wir irgendwann ca. 10 waren und das Festessen beginnen konnte. Zu Besuch waren zwei Schwestern von Don Pancho, eine mit ihrem Mann, und ein kleines Mädchen, dass Pancho mitgebracht hatte (irgendeine Verwandte :D). Wir waren gerade am Essen, da hatte Panchos Schwager einen Vorschlag für ein Spiel: Ein Weinglas geht am Tisch rum, und die Person, bei dem das Glas gerade ist muss den anderen was vorsingen. Also ging eine Gesangsrunde los, bei der jeder, der ich sträubte zu singen das Weinglas leer trinken musste. Es war interessant zu hören, was sie uns vorzusingen hatten und lustig, was wir ihnen vorsangen. Während unsere Köchin ein Lied tief von ihrem Herzen vorsang führte uns Pancho ein heimisches, traditionelles Lied vor, mit Jodeleinsätzen.

Bemerkenswert an der Essensrunde war, dass wir eine Runde machten, bei der jeder allen erzählen durfte wie er dem kommenden Jahr entgegen sieht und was er für Gedanken bezüglich uns als neue Freiwillige hier in Camiri hat. Es war schön von unseren Gastgebern erneut herzlich willkommen geheißen zu werden und für uns noch ein bisschen schwer wirklich dass auf Spanisch auszudrücken was wir sagen wollten.

 Während zur Feier des Tages eine nach der anderen Weinflasche geöffnet und ausgeschenkt wurde, wurde gefordert, dass ich meine Gitarre rausholen soll um etwas vorzuspielen. Gesagt, getan. Die nächste Stunde saßen wir zusammen und sangen alle möglichen Lieder zusammen, begleitet mit der Gitarre. So neigte sich der Tag langsam zum Ende und nachdem wir uns zu fünft Pasta zu Abend gekocht hatten (da uns Sonntags das kochen selbst überlassen ist) fielen wir erneut, jetzt vollständig und nicht nur zu zweit wie am Abend zuvor,  erschöpft in unsere Betten.

So etwa in grob fingen meine Tage in Camiri an. Am nächsten Tag, Montag, hieß es: auf geht’s in die Einsatzstellen. Da Leoni und ich uns noch bei einem Workshop eines Projektes angemeldet hatten, welches am nächsten Tag in Santa Cruz beginnen würde, hieß es jedoch für uns beide Rucksack packen für vier Tage und los geht die nächste Reise. Das Projekt nennt sich hier „lentes al instante“, oder in anderen Ländern „one-dollar-glasses“ und ist, wer hätte das gedacht, ein Brillenprojekt. Über den Workshop werde ich in einem weiteren Bericht schreiben, dieser ist schon länger geworden als erwartet :D.

Nun bin ich wieder zurück von dem Workshop aus Santa Cruz und bin heute Morgen mit Don Pancho  in das Krankenhaus gefahren, in dem ich arbeiten werde, um mich vorzustellen. Morgen wird es dann endlich richtig mit der Arbeit im Krankenhaus losgehen.

 

Über das Brillenprojekt und die ersten Arbeitstage werde ich in den nächsten Wochen berichten. Ich hoffe meine Berichte sind informativ und interessant. Freue mich auch gerne über Rückmeldungen.

Hier noch ein paar Bilder: Erst Sucre dann Camiri

2 Kommentare zu „Ab gehts in die Heimatstadt

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