Die ersten bolivianischen Bekanntschaften, Patienten mit Anfängerspanisch versuchen aufzuklären und Stressfreies WG-Zusammenleben

Soo, es wird mal wieder Zeit euch von dem neusten Stand meiner Erfahrungen zu berichten. In den letzten anderthalb Monaten hat sich schon so einiges getan. Bevor ich überhaupt in meiner Einsatzstelle anfing, habe ich (wie im letzten Bericht erwähnt) noch an einem einwöchigen (ja eher 4-tägigen) Kurs für das Brillenprojekt „lentes al Instante“ teilgenommen um zukünftig bei deren Arbeit mitwirken zu können. Alles rund um „Lentes al Instante“ Informationen über das Projekt, wie mein 4-tägiger Optikkurs lief und sogar schon einen Bericht über meinen ersten Arbeitsausflug mit dem Projekt findet ihr in diesem neuen Blogeintrag.

Aber jetzt mal zu meiner Einsatzstelle: Seit ca. anderthalb Monaten arbeite ich jetzt im Stadtkrankenhaus von Camiri, welches das größte KH hier ist. An meinem ersten Arbeitstag setzte ich mich kurz mit dem Chefarzt zusammen, und besprach mit ihm wie mein kommendes Jahr dort  in etwa ablaufen wird. Er konnte mein semi-gutes Spanisch und meine mehr oder weniger medizinischen Erfahrungen durch Praktika in Deutschland einschätzen und schickte die Krankenschwesterchefin, um mir die verschiedenen med. Abteilungen des Krankenhauses zu zeigen. Nach der kleinen Führung stand mir frei zur Wahl in welchem Service ich anfangen würde, also entschied ich mich spontan für die ersten Wochen in der Notaufnahme auszuhelfen.

Notaufnahme – da landen doch nur die Notfälle?

Antwort: In meinem Krankenhaus nicht nur. Im Fall eines Notfalls hat dieser natürlich Priorität und Patienten mit starken Schmerzen oder hohem Fieber werden zur Diagnose von der Ärztin der Notaufnahme aufgenommen. Ansonsten werden jedoch drei Hauptbehandlungen im Patientenzimmer in der Notaufnahme von den Krankenschwestern ausgeführt: Inyectable, Curacion und Nebulizacion.

„Inyectable“ sind Injektionen, die der/die Dr. verschrieben hat und auf Rezept entweder intramuskulär oder intravenös verabreicht werden. Dabei kann es sich um Antibiotika handeln aber auch um Spritzen gegen akute starke Schmerzen oder hohes Fieber. „Curacion“ ist die Säuberung von Wunden, ob offene Wunden durch einen Sturz, Tierbisse oder auch zugenähte Narben nach Operationen. Und Nebulizacion ist nichts weiter als eine Inhalation um die Bronchienwege für bessere Atmung zu erweitern.

Die ersten ein bis zwei Wochen hieß es für mich erst einmal zuschauen und versuchen so gut es geht alles zu durchblicken. Durch mein in den ersten Wochen noch nicht so ausgeprägtes Spanisch-Verständnis, fiel es ab und zu schon echt schwer am Ball zu bleiben, denn wenn man mal aus Interessse nachfragte um dazuzulernen verstand man oft auch nach dem zweiten Mal erklären die Antwort immer noch nicht ganz. Obwohl ich eine ziemlich gute Spanisch-Grundlage hatte, bereitete und bereitet mir immer noch der bolivianische Akzent die Probleme bei der Kommunikation… Es wird aber immer besser.

Die ersten Wochen arbeitete ich also zuerst mit den Krankenschwestern zusammen und lernte langsam die drei verschiedenen Behandlungen (v.a. Curacion und Nebulizacion) zu tätigen. Insgesamt habe ich dort dann 6 Wochen gearbeitet und neben den Behandlungen auch einige Notfälle und leider auch einen tödlichen miterlebt. Zusammenfassend habe ich dort einiges an Erfahrung gesammelt. Mit den Krankenschwestern verstand ich mich auch super und einige hatten Spaß dabei mir ein bisschen Spanisch beizubringen wenn mal keine Patienten da waren. Der ein oder andere Versprecher von mir sorgte oft für Gelächter und wurde immer wieder ausgepackt.

Mit zwei Krankenschwestern war ich an einem Wochenende zur Abwechslung feiern. Zusammen haben wir die Clubs Camiri unsicher gemacht und sind anschließend in einer Karaoke-Bar gelandet, die just gerade dicht machte als ich mal meinen Gesang auspacken wollte. Nächstes mal:D

Nach sechs Wochen Notaufnahme bin ich jetzt in die Chirugie gewechselt. Der Plan bei meiner Arbeit im Krankenhaus ist nämlich, dass ich durch alle med. Abteilungen rotiere. In der Chirugie kann ich bisher noch nicht so viel machen, im nächsten Bericht werde ich dann erzählen wie es dort jetzt weiter geht.

Das Leben neben dem Krankenhaus

In unserer fünfer-WG kommen bisher wir alle super miteinander klar. Kein Stress oder Streit sondern eher gemeinsame Aktionen stehen auf unserem Plan. Unter der Woche haben wir nicht viel Zeit dafür, da jeder andere Arbeitszeiten hat, jedoch sind die Wochenenden dafür umso besser. Jedes neue Wochenende entdecken wir Camiri weiter. Bisher waren wir schon mehrmals auf kleinen Hügeln, die die Stadt umrunden und hatten eine perfekte Sicht auf die Dächer Camiris. An dem Fluss der an den Bergen einmal um Camiri fließt waren wir auch schon mehrmals baden. Die großen Wandertouren auf die höheren Berge stehen noch an. Da wir von unserer Köchin jeden Tag außer Sonntag zu Mittag und zu Abend gekocht bekommen, findet man auch unter der Woche dann mindestens zum Abendessen einmal zusammen. Oft gibt’s einiges zu erzählen, Vorschläge für die Zukunft zu besprechen oder wir tratschen über unsere verschiedenen Erfahrungen. Sonntags bekommen wir etwas Essensgeld  um uns selbst etwas zu kochen. Das macht echt Spaß und mit Spießbraten oder Pfannkuchen (was hier nicht gekocht wird) konnten wir unsere Wünsche nach etwas heimischen zu Essen aus Deutschland ein bisschen stillen.

Die letzten Wochenenden waren wir auch einmal gemeinsam unterwegs in Santa Cruz um Mitfreiwillige dort zu besuchen und haben auch schon 2mal Besuch von anderen bekommen. Die Wochen sind also echt gefüllt, mal schauen ob ich es irgendwie noch schaffe mir Zeit für Sport zu nehmen. Vor allem aufgrund der Hitze war nicht nur ich sondern auch die anderen viel zu unmotiviert jegliche Art von Bewegung mittags auszuführen. Hoffentlich gewöhnt man sich noch etwas an die Hitze, ansonsten steht Sport dann eben immer morgens vor der Mittagshitze an.

Soo genug mit meinem schriftlichen Teil, hier sind noch ein paar Fotos von den letzten Wochen:

Camiri Streets:

Ausflüge durch Camiri:

Für Mehr Fotos, vor allem auch aus Sucre und Santa Cruz, könnt ihr in der Foto Galerie: Auf Reise angucken.

 

 

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2 Kommentare zu „Die ersten bolivianischen Bekanntschaften, Patienten mit Anfängerspanisch versuchen aufzuklären und Stressfreies WG-Zusammenleben

  1. Hey du Großer!!!
    Das hört sich bei dir ja super mega Hammer toll an, ich wäre so gerne dabei und nach dem Jahr hast du schon mehr Ahnung von Medizin als ich. Das wird sich bei meinen Famulaturen hoffentlich ändern:D
    Freue mich immer was zu hören und wenn ich dir iwie noch weiterhelfen kann sag bescheid!
    Liebe liebe Grüße Ruth

    Gefällt 1 Person

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