Arbeit im Krankenhaus: Übersetzer einer amerikanischen Chirurgie-Kampagne, Basic-Unterricht über Traumatologie & Ärztestreik

Es ist mal wieder soweit meine neuen Erlebnisse auf Papier oder eher gesagt auf WordPress zu übertragen. In den letzten 1-2 Monaten sind mir wieder so einige spannende, unterschiedliche Dinge passiert.

Meine Arbeit im Krankenhaus

Zuerst einmal möchte ich über die Entwicklung auf meiner Arbeitsstelle im Krankenhaus berichten. Als ich den letzten Blogeintrag geschrieben habe war ich gerade in die Chirurgiestation gewechselt. Dabei hatte ich mir erhofft bei der ein oder anderen Operation zuschauen zu dürfen. Das ging jedoch nicht so leicht, da der Chef des OP’s leider nicht so gut auf mich anzusprechen war. Während ein anderer Chirurg mich gerne in eine seiner OP‘s mit genommen hätte, wurde ich, als ich gekleidet den OP-Saal betreten wollte, strikt vom Chefarzt rausgeschickt. Obwohl ich ihn später noch einmal darauf ansprach, ob wir mal in Ruhe darüber reden könnten, dass ich bei einer OP dabei sein darf, reagierte er ziemlich genervt und meinte, dass er keinen Platz dafür habe.

Obwohl das ganze etwas enttäuschend war, machte ich das Beste daraus und setzte mich täglich in das Arbeitszimmer der Chirurgie und eignete mir das Basic-Medizinwissen über den Fachbereich Chirurgie an. Außerdem half ich manchmal den Krankenschwestern bei der Pflege der post-OP Patienten. Nach ein paar Tagen lernte ich den Traumatologen (Spezialist für Körperverletzungen und Wunden)  des Krankenhauses kennen, und da wir uns ganz gut verstanden, konnte ich bei seinen Patientensprechstunden mit dabei sein. Dabei nahm er sich hin und wieder Zeit, mich über die Krankheiten und Probleme seiner Patienten aufzuklären. Es war super interessant über unterschiedliche traumatologische Krankheitsbilder mehr kennenzulernen, oft ging es hierbei um Prellungen, Knochenbrüche oder Skelettdeformitäten, Wirbelsäulen- oder Gelenkverletzungen.  Da der Traumatologe  außerdem sehr daran interessiert war Englisch und sogar Deutsch zu lernen, brachte ich ihm, wenn Zeit dafür war, hin und wieder Wörter und ganze  Sätze bei. Das Ganze war ein super Wissensaustausch und machte echt Spaß.

 

Amerikanische Chirurgie-Kampagne

Gerade hatte ich meine 1,2 ersten Wochen in der Chirurgieabteilung hinter mir, da tauchten plötzlich englisch-sprechende Personen bei uns im Krankenhaus auf. In dem kleinen traditionellen Dörfchen Camiri war das sehr ungewöhnlich. Ich hörte die mir vertraute Sprache schon von weitem und guckte neugierig nach wer die Personen waren. Als ich mich ihnen näherte und sie darauf ansprach, was sie hier hertreibe, bekam ich heraus, dass sie einer amerikanischen Ärzteorganisation angehörten, die für eine Chirurgie-Kampagne nach Bolivien gekommen waren. Zwei Wochen lang teilte sich die Organisation in zwei Teile auf, um den Menschen vor Ort zu helfen: der eine Teil (ca. 10 Ärzte und Krankenschwestern) blieb im Krankenhaus, um zu operieren und die andere Hälfte fuhr auf die abgelegenen, ärmeren Gebiete rund um Camiri, um dort die Menschen zu versorgen. Obwohl durch die Amis eine neue Chance für mich bestand, über ihr Projekt den OP-Saal mit zu betreten, hielt ich mich dabei erst einmal zurück und spielte stattdessen mit meinem besser gewordenen Spanisch zwischen den Patienten und den Amis den Translater.

Am letzten Tag der Kampagne wurde ich dann doch von einer Krankenschwester der Kampagne gefragt ob ich denn nicht, wenn ich hier meinen Freiwilligendienst leiste um einen Eindruck des medizinischen Berufsfeldes zu bekommen, mit zu einer Operation kommen wöllte. Da konnte ich schließlich nicht nein sagen, zumal die Verantwortung dieser Operation nicht dem Chefarzt der OP-Abteilung zustand, sondern den Ärzten der Kampagne. Außerdem war dieser chirurgische Eingriff ein besonders interessanter, es handelte sich um einen sich seit 10 Jahren entwickelnden Kropf (Schilddrüsenvergrößerung). Dementsprechend war der Kropf auch übermäßig groß und die Operation war nicht nur für die Chirurgen sondern auch für den Anästhesisten eine Herausforderung. Sie verlief jedoch erfolgreich und ich konnte sogar während der Operation noch weiter als Übersetzer zwischen den amerikanischen und bolivianischen Ärzten dienen.

 

Nachdem die Kampagne der Amerikaner vorüber war und wir uns gegenseitig verabschiedet hatten, kehrte wieder etwas mehr Ruhe im Krankhaus ein. Außerdem hieß es für mich für die nächste Woche: Wechsel zur nächsten medizinischen Abteilung.

Seit ca. 4 Wochen bin ich jetzt in der Inneren Medizin, wo wir meistens ca. 3-6 Patienten stationiert haben, ich bei der Visite morgens mit dabei bin und ab und zu die benötigten Vitalzeichen der Patienten messen darf (Blutdruck, Herzschlag, Atmung). Ansonsten bringe ich Patienten zur Ultraschalluntersuchung oder zur Röntgenaufnahme, oder ich setze mich hin und lerne etwas Medizin auf Spanisch. An sich ist es in der Inneren Medizin etwas ruhiger als in der Chirurgie, das könnte jedoch auch an dem Ärztestreik liegen, der bisher fast über meine gesamte Zeit in der Inneren Medizin angedauert hat.

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Auch wenn die Menschen die auf dem Campo Leben kein Krankhaus bei sich in der nähe haben, gibt es wenigstens dieses kleine Gesundheitszentrum, welches die basale Gesundheitsversorgung umfasst. Hier haben wir nach dem Patienten gefragt.

Wie, die Ärzte streiken?

Ja, das Ganze hat mich auch echt überrascht, obwohl ich schon vorher davon gehört hatte. Der Grund warum die Ärzte streiken, scheint ein Gesetz zu sein, welches die Regierung mittlerweile sogar schon verabschiedet hat (zuvor hatten sie gegen die Verabschiedung protestiert), welches die Finanzverteilung in dem Gesundheitswesen neu reguliert. Der Ärztestreik hat auf die Gesundheitsversorgung die Folge, dass sich überwiegend nur noch um Notfälle gekümmert wird (ja, ich war auch erstaunt). Als ich einen Patienten der Inneren Medizin aufgrund einer vermuteten Gastritis (Magenschleimhautentzündung) zum Ultraschall brachte, lehnte der Arzt ab und meinte, dass er in diesem Fall keine Untersuchung durchführen werde. Echt krass.. Natürlich wird der Streik von Stadt zu Stadt und auch Arzt zu Arzt unterschiedlich konsequent durchgezogen. Daher läuft die Arbeit seit ca. drei Wochen vermutlich etwas anders ab als normalerweise. Da ich geplant habe ab nächster Woche mir drei Wochen frei zunehmen um mit anderen Freiwilligen zusammen ein bisschen unser zeitlich beschränktes Heimatsland zu erkunden, werde ich vermutlich das Ende des Streiks auf der Arbeit nicht mitbekommen. Jedoch werde ich euch im nächsten Bericht darüber informieren wie es letztendlich (hoffentlich) dazu kam, dass die Streikaktion eingestellt wurde.

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Das Bild ist noch harmlos. Hier haben sich ein paar Ärzte unseres Krankenhauses versammelt und ein Auto quer auf die Hauptstraße Camiris gestellt um zu protestieren. In anderen, größeren Städten soll es richtig große Demonstrationen geben.
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