Eröffnung einer Minioptica in Camiri!!

Einrichtung eines eigenen Arbeitszimmers für Leonie und mich im Krankenhaus Camiri.

Obwohl ich dachte, dass das Eröffnen eines eigenen Minioptikladens in Camiri für Lentes al Instante noch in den Sternen stand und ein Zukunftsplan ist, rief mich vor ca. 6 Wochen unser Mentor Aturo an, dass er demnächst vorbeikommen würde, um mit dem Chef meines Krankhauses über eine Stationierung der Minioptica im Krankenhaus Camiri zu reden. Ein paar Tage später traf Aturo wirklich bei uns in Camiri ein (man weiß meistens nie genau, wann Aturo hier ankommt) und berichtete mir ein Tag später, nach einem  Gespräch mit dem Chefarzt, dass das Krankenhaus die Eröffnung eines Optikladens gestattet.

Ca. drei Wochen später, kamen schließlich Rider (der Verantwortliche von LAI für die Kampagnen) und Wenzel mit dem gesamten Equipment für das Optikgeschäft nach Camiri. Zusammen fuhren wir morgens zu meinem Arbeitsplatz und gingen mit der Krankenschwesterchefin, das gelieferte Material und die organisatorischen Aspekte der zukünftigen Führung der minioptica durch. Uns wurde ein Arbeitszimmer gestellt, in dem wir die gesamten Materialien abstellen und uns einrichten konnten. Zu der basalen Ausrüstung gehörten neben den Brillengestellen in verschiedenen Farben und Größen und den Brillengläsern mit unterschiedlichen Brechkräften auch eine Promotionswand an der die verschiedenen Brillenmodelle exponiert werden und in welche ein Spiegel integriert ist (um zu gucken ob die schicken Modelle einem auch stehen). Außerdem wurden die „Messstäbe“, an welchen die verschieden starken Linsen angebracht sind und die Text- und Figurschablonen mitgeliefert, die zur Messung dienen. 

Zusätzlich wurden mit der Grundausrüstung auch einige organisatorische Papiere gebracht, da die Arbeit und der Verkauf der jeweiligen Materialen dokumentiert werden muss, für die Kontrolle und Auswertung der Arbeitsdaten. Die Arbeit in der minioptica bestand also nicht nur aus der Messung der Sehkraft, sondern umfasste auch die Aufnahme des Patienten durch Registration, ein kurzes Patientengespräch, die Auswahl und das Zurechtbiegen des Brillengestells und der anschließende Verkauf der Brille der natürlich auch dokumentiert werden muss. 

Jetzt fragt ihr euch bestimmt, wer diese ganze Arbeit erledigt, das habe ich mich schließlich auch gefragt, denn bis auf die Messung der Sehkraft und der Patientenregistration hatte ich in den anderen Arbeitsschritten noch kaum Erfahrung. Da Rider und Wenzel keine weiteren Personen in die Einrichtung und Einführung der minioptica mit einbezogen außer die Krankenschwesterchefin, fragte ich später ob Leoni und ich denn von einer anderen Person bei unserer Arbeit Unterstützung bekommen würden, denn ich hatte mir vorgestellt vielleicht von einem Augenarzt oder einem Optiker mehr lernen zu können. Die Antwort war, dass geplant ist, dass diese minioptica zukünftig nur von Leoni und mir betrieben wird, jedoch würde mir Patty (eine Mitarbeiterin, die ich schon von der Kampagne kannte, die mit den beiden mitgekommen war) am ersten Arbeitstag aushelfen und alles noch einmal zeigen. 

Da mir ein Tag zur Einführung für das Leiten eines kleinen Optikladens ein bisschen zu wenig war, machte ich mit Rider aus die Augenärztin unseres Krankenhauses aufzusuchen. Ich tauschte mit ihr Nummern aus und sie erklärte sich bereit mir zu helfen falls ich Unterstützung bräuchte. Leider war sie jedoch nicht so kommunikativ, oder motiviert mir ein bisschen ihre Arbeit mir vorzustellen. 

Wie viele Stunden wir zukünftig in unserem Arbeitszimmer arbeiten würden, wurde auch noch schnell geklärt – wir einigten uns auf vier mal die Woche, jeweils Nachmittags von 14.30 bis 17.00 Uhr. Zumal ich auf jeden Fall noch nebenbei im Krankenhaus weiterarbeiten wollte, kamen für mich mehr als 2-3 Tage in der minioptica kaum in Frage. Jedoch konnte ich mir die Arbeitstage ja mit Leoni aufteilen.

Insgesamt verlief der ganze Einrichtungsprozess für mich ein bisschen gehetzt und etwas unkontrollierbar ab, gleichzeitig sah ich jedoch in dem ganzen eine super Herausforderung. Da Leoni, so verrückt wie sie ist, für eine Woche zu ihrer Gastfamilie in die USA geflogen war, um die Hochzeit ihres Gastbruders mitzufeiern, war ich für die ersten Betriebstage der Minioptica ziemlich auf mich selbst eingestellt.

So hieß es am nächsten Tag: Ran an die Arbeit!

Bei insgesamt 12 Patienten führte ich am ersten Tag die Messungen durch, suchte zusammen mit ihnen das passende Brillengestell aus und verkaufte ihnen ihre Brille. Bei einigen Patienten griff mir Patty ab und zu unter die Arme, beispielsweise wenn bei der Messung keine Dioptrie die Sicht der Patienten verbesserte. Dann sind nämlich keine Myopie oder Hypermetropie das Problem, sondern Augenkrankheiten wie z.B. Katarakt, Glaukom oder das hier oft vorkommende sogenannte Flügelfell (Pterygium).  Für die Diagnose und Behandlung dieser Krankheiten muss ich die Patienten zum Augenarzt schicken, wobei sich die meisten die Behandlung dort leider gar nicht leisten können. Auch bei einer Hornhautverkrümmung muss ich die Patienten weiterschicken, da die speziell geformten Brillen nicht in dem Sortiment von LAI enthalten sind, und die Messung bestimmte Geräte erfordert.

So erarbeitete ich mir die folgenden Tage nach und nach mehr Informationen und trainierte weiter mein Spanisch, um die Patienten auch richtig verstehen zu können. Als Leoni wieder zurück in Camiri ankam gab ich ihr soweit ich konnte eine Einführung über die auf uns zukommende Arbeit und wir teilten unter uns die Arbeitstage gut auf. 

Aber anstatt dass wir einen langsamen Einstieg in unsere Arbeit erfahren konnten, lief leider alles ein bisschen ungeordnet. Da Leonie aus erneut für eine Woche unterwegs sein musste, übernahm ich nochmal die vier Arbeitstage in der Woche. Zusätzlich fingen genau zur selben Zeit die Ärzte in Bolivien an zu streiken (ja sowas gibt’s hier:D). Den Grund und die Auswirkungen erläutere ich genauer in meinem Bericht über meine Arbeit im Krankenhaus. Jedenfalls kamen, dadurch dass die Ärzte überwiegend nur noch Notfälle behandelten und dementsprechend einige Spezialisten nicht arbeiteten, bis auf in der Notaufnahme, kaum Patienten ins Krankenhaus. Das wirkte sich auch auf meine Arbeit in der minioptica aus und in ca. 4 Tagen hatte ich 2-3 Patienten. Mittlerweile hält der Streik schon ca. 3 Wochen an und ich habe aufgehört mittags in meinem Arbeitszimmer auf Patienten zu warten, auch wenn ich hin und wieder bei Mitarbeitern aus dem Krankenhaus die Sehkraftmessung durchführte, welche Probleme mit der Sicht hatten.

Da ich, wie schon länger geplant, ab nächster Woche einen Monat mir frei nehmen werde um mit anderen Freiwilligen über Silvester zusammen durch Bolivien zu reisen, wird dadurch meine Arbeit in der minioptica weiterhin unterbrochen. Darüber hinaus werden Luca und Katharina (auch aus Camiri) im Januar ebenfalls die Optikausbildung in Santa Cruz machen, um auch bei Lentes Al Instante und vermutlich auch bei unserer minioptica mitarbeiten zu können. Wenn man mich fragt, sieht es ganz so aus als würde es also Anfang Februar nächsten Jahres einen neuen Anlauf des gesamten Projektes rund um die minioptica geben…

Zusammenfassend war der Arbeitsstart der minioptica in Camiri jedoch echt ein guter Anfang, dem jetzt leider ein paar Kompliaktionen in die Quere gekommen sind. Die ersten Arbeitstage liefen dennoch echt super und ich freue mich schon im Februar wieder dort weiter zu arbeiten und Katharina und Luca in unsere Arbeit einweisen zu können.

Ich halte euch dann natürlich auf jeden Fall wieder auf dem Laufenden, ich bin selbst sehr gespannt wie sich das ganze Projekt weiterentwickelt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s