Rückblick auf ein Jahr Buntes Bolivien

Jetzt bin ich schon eineinhalb Monate wieder in Deutschland zurück und habe mich ziemlich gut wieder hier eingelebt. Gedanklich ist der Freiwilligendienst und an sich das Jahr in Bolivien trotzdem noch lang nicht abgeschlossen und im Herzen werde ich vermutlich das Land und die Erlebnisse für immer mit mir tragen.

Als wahrscheinlich vorerst letzten Blogeintrag auf dieser Seite möchte ich nochmal kurz erzählen was nach meiner großen Reise durch Bolivien und Peru in den letzten Monaten in Camiri lief. Anschließend erzähle ich noch kurz wie es für mich war nach Deutschland zurückzukehren.

Die kürzesten 6 Monate meines Lebens

Da nach dem Reisen das „richtige Leben“ erst in vollem Maße anfing, habe ich aufgrund fehlender Zeit und vielleiiicht auch Motivation seit dem Zeitpunkt kein weiteren Blogeintrag geschrieben. Naguut besser zu spät als nie – hier eine kleine Zusammenfassung:

Nach der ca. einmonatigen Reise mit meiner WG-Mitbewohnerin Katharina und ab und zu auch ein paar anderen Freiwilligen (1 Monat Bolivien und Peru erkunden) trafen sich alle Freiwilligen aus Bolivien zusammen mit Max Steiner (Leiter von HIB, Partnerorganisation von Volunta)  in Sucre und wir reflektierten zusammen das hinter uns liegende erste halbe Jahr. Es war spannend von anderen Freiwilligen aus deren Arbeit in Schulen, Umweltprojekten und Krankenhäusern zu hören und lustige Erfahrungen und Tipps auszutauschen. Außerdem informierte uns Max mit ausführlichen Vorträgen über die Geschichte Südamerikas und vor Allem Boliviens. Das Seminar war schnell vorbei und wir konnten nach nun fünf Wochen endlich zurück nach Camiri.

Nach der Rückkehr fing endlich die Zeit an, in der die Sprachbarriere so gut wie überwunden war und zusätzlich zu meinem Glück in meinem Arbeitsort im Krankenhaus fünf Medizinstudenten neu angekommen waren, um mit ihrem praktischen Jahr ihr Studium abschließen zu können. Nach kurzer Zeit verstand ich mich super mit ihnen und ich verbrachte immer mehr Zeit im Krankenhaus. Die Studenten hatten oft Zeit für mich und brachten mir einige Dinge bei wie zum Beispiel: Anamnesegespräche, Patientenuntersuchungen, Diagnose stellen, Therapieverfahren und Führung von Patientenakten. Ich hatte echt Spaß daran, nachdem ich schon einiges gelernt hatte immer mehr bei der täglichen Arbeit und bei der ärztlichen Visite mitzuhelfen. Meine WG-Mitbewohnerin Leoni war übrigens in mein Krankenhaus gewechselt und so arbeiteten wir viel zusammen und konnten uns auch auf deutsch über die Arbeit, Patienten und deren Krankheitsbilder austauschen.

Da man nicht alles gleichzeitig machen kann, habe ich neben der Arbeit im Krankenhaus nicht allzu viel Zeit für Freizeitaktivitäten gehabt. Da ich jedoch sehr zufrieden mit der Leistung war die ich im Krankenhaus erbringen konnte, störte mich das kaum, nur evtl. der Schlafmangel den ich nach der ein oder anderen Nachtschicht hatte.

Leider habe ich kaum Bilder aus dem Krankhaus, da ich mein damaliges Handy und damit alle Bilder aus dieser Zeit verloren habe.

Der Countdown läuft…

Die Zeit verging immer schneller bis wir dann irgendwann in der WG anfingen die letzten 6,5,4 Wochen runter zu zählen bis uns nur noch ein Monat des ganzen Jahres blieb. Mit riesen großer Freude konnte ich in den letzten Wochen meinen Geschwistern und Eltern Camiri und ein bisschen die Kultur Boliviens zeigen, als sie mich im Juni besuchen kamen. Danach plante ich die verbleibenden Wochen weniger Zeit bei der Arbeit im Krankenhaus zu verbringen um nochmal ordentlich das Leben in Bolivien genießen zu können – Freunde zu treffen, lecker essen zu gehen, einkaufen zu gehen und Camiri und Umgebung noch weiter zu erkunden.

Dieser Plan wurde bedauerlicherweise schnell nicht mehr realisierbar, da ich mir kurz nachdem meine Familie abgefahren war, mein Handgelenk bei einem Fahrradsturz  brach. Es war komisch in dem Krankenhaus in dem man sonst arbeitet von den Leuten mit denen man sonst zusammen Arbeitet behandelt zu werden… Die Diagnose eines Handgelenkbruches war jedoch eindeutig und somit durfte ich die letzten Wochen in Bolivien mit einem Oberarmgips (wenigstens nicht am rechten Arm) herumlaufen. Das war zunächst schon ziemlich schade und ärgerlich, jedoch machte ich nachdem ich mich ein paar Tage ausgeruht hatte, das beste draus. Ich war zwar in der Bewegung etwas eingeschränkt, allerdings hinderte mich dass nicht daran mich mit Leuten zu treffen und feiern zu gehen. So ließ ich mir die letzten Wochen nicht durch einen Knochenbruch versauen.

 

 

Die Zeit raste an uns vorbei und schließlich hieß es auch schon Abschied nehmen. Die letzten Vorhaben liefen auf Hochtouren: nochmal typisch churrasco (gegrilltes) essen, Empanadas (Teigtaschen) frühstücken und Api (traditionelles Maisgetränk) trinken und so viele Erinnerungsstücke kaufen wie der Koffer es zuließ. Und zu guter Letzt das Schwerste: sich von den Freunden und Mitarbeitern verabschieden. Das fiel mir echt nicht leicht, da man sich nicht wie sonst meistens mit großer Sicherheit mit einem „bis zum nächsten Mal“ verabschieden konnte. Ich habe zwar echt Lust nochmal nach Bolivien zurückzukehren, allerdings ist immer die Frage, ob man dann alle Personen wiedersieht.

 

 

 

Nachdem wir uns mit allen Freiwilligen zusammen in Santa Cruz getroffen hatten, verbrachten wir gemeinsam den letzten Tag und die letzte Nacht dort, um am nächsten Morgen in den Flieger zurück nach Deutschland zu steigen. Das Gefühl in wenigen Stunden uns Kilometerweitweg, über einen riesigen Ozean von unserem liebgewonnenen Bolivien zu entfernen und gleichzeitig nach einem Jahr mein eigentliches Heimatland wieder zusehen war verrückt und nicht wirklich vorstellbar. Deshalb wurde jede Stunde ausgenutzt indem ein Kumpel und ich die letzte Nacht durchmachten, und am nächsten morgen mit der Freiwilligengruppe, unseren ganzen gepackten Koffern, Handgepäck und alles drum und dran uns zum Flughafen aufmachten.

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Nochmal ein letztes Freiwilligen-Fotoshooting am Flughafen.

 

Der Flug nach Madrid und von dort nach Frankfurt verlief relativ entspannt und die Aufregung stieg, umso näher wir Frankfurt kamen. Endlich angekommen, stiegen wir aus dem Flieger und setzten das erste mal nach einem Jahr unseren Fuß wieder auf deutschen Boden. Für den Einen oder Anderen, mag ein Jahr nicht allzu lang vorkommen, um es so aufregend zu finden wieder zurückzukommen, jedoch waren es die immensen Unterschiede zwischen Bolivien und Deutschland (geographisch, kulturell, menschlich usw. ) die es so spannend machten. Im Flughafengebäude erschöpft angekommen ging das große Wiedersehen aller Familien und Freunde der Freiwilligen los, welches man kaum in Worte fassen kann.

Mit meinen beiden Brüdern die mich abgeholt hatten, fuhr ich nach Hause und konnte es noch nicht wirklich realisieren wieder zurück in Deutschland, zu Hause, zurück zu sein. Auf dem Heimweg und auch in den nächsten Tagen spürte ich eine gewisse Fremde in meiner Umgebung in der ich mich bewegte, jedoch viel tiefer trotzdem gleichzeitig ein bekanntes Gefühl der Heimat und Vertrautheit. Ich merkte eben richtig wie ich mich an die einfachen, bunten Straßen und Menschen Boliviens gewöhnt hatte und nun in Deutschland zwar wieder auf das Vertraute aber nicht mehr gewohnte stieß.

Insgesamt war es wirklich interessant meine Heimat nach einem Jahr Abwesenheit, mal aus ganz anderen Blickwinkeln zu betrachten und auf Dinge aufmerksam zu werden, die einem sonst im Alltag als völlig normal aufgrund der Gewohnheit erscheinen. Vor allem in den ersten Tagen fiel mir eine Sache immer wieder auf: der Wohlstand Deutschlands. Natürlich haben wir auch mit Armut zu kämpfen, aber noch lange nicht in so einer Form wie in Bolivien. Und bereits eine saubere Wohnung mit sauberen Trinkwasser, ein funktionierendes Auto und eine breite Auswahl an allen möglichen Lebensmitteln ist ein Luxus, den viele Leute in Bolivien nicht haben. Das realisierte ich immer wieder, ob ich grad bei Freunden war und in einem schicken Bad mit Dusche mit Glaswand stand oder zu Hause vor einem vollen Kühlschrank.

Ich merke mittlerweile, dass das Bemerken dieser Tatsachen immer mehr abnimmt, da ich mich auch wieder an den deutschen Lebensstil gewöhne, allerdings versuche ich immer wieder daran zu denken und mir die Lebensunterschiede klarzumachen.

Im Großen und Ganzen bin ich überglücklich ein Jahr in Bolivien als Freiwilliger gelebt,  und dabei Erfahrungen und Erlebnisse gemacht zu haben, die mein Weltbild und mein Menschenverständnis um einiges erweitert haben. Unersetzliche Momente im Alltag auf der Straße, beim Einkaufen auf den kleinen Mercados, auf der Arbeit im Krankenhaus, im Gespräch mit Arbeitskollegen, Freunden, Einheimischen und auch Patienten uuund vieles mehr haben mich sehr geprägt.

Deshalb empfehle ich auch vom Herzen jedem weiter einmal für längere Zeit im Ausland zu leben, ob über einen Freiwilligendienst, Austauschprogramm oder private Kontakte. Wichtig finde ich und richtig interessant wird es auch nur dann, wenn man in dem Land unter die Menschen und somit in die Kultur kommt. Also los geht’s!

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Sooo… dann möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Lesern bedanken, die immer mal wieder hier reingeschaut haben. Ich hoffe ich konnte euch durch meine Berichte in gewisser Weise mit an dem ein oder anderen Erlebnis teilhaben und ihr konntet euch gut ein Bild von Bolivien, meiner Arbeit im Krankenhaus, meiner Wohnsituation in der WG, vom Reisen usw. machen. Bei Fragen oder Rückmeldungen könnt ich euch gerne an mich per E-Mail an: JaBo98@gmx.de richten. 

Nicht zuletzt möchte ich mich noch bei allen herzlich bedanken die meinen Freiwilligendienst durch Spendenbeiträge unterstützt haben!!!

 

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Hasta la proxima vez Bolivia!
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